Auch dieser zweite kleine Ausflug am 4.6. diente wieder nur Arbeitszwecken… Für diesen Ausflug nach “Dritter Mai”, das ist der Name der Stadt übersetzt, musste ich mal wieder früh aufstehen, da ich den Transfer der UNIJUUI nutzen wollte um nach Três de Maio zu kommen. Es gibt einen Minibus, der die Studenten von Ijuí zum Campus der UNIJUI in Santa Rosa fährt und Três de Maio liegt auf dem Weg von Ijuí nach Santa Rosa, etwa 80 km von Ijuí entfernt. Na ja, und dieser Minibus fuhr eben schon um 6:30 ab, zum Glück nur 5 Fußminuten von der Pensao entfernt. …aber es war ganz schon kalt an diesem Morgen, so 0-1°C… ich zog mit meiner kompletten deutschen Winterausrüstung los.
Das Interview in der COTRIMAIO, der Genossenschaft von Três de Maio hatte ich für 10:30 Uhr vereinbart, ankommen in Três de Maio tat ich um 7:40 Uhr… und es war immer noch kalt. Zum Glück hatte ich schon auf dem Weg von der Fernstraße ins Zentrum des 24.000-Einwohner-Städtchens eine Bäckerei ausgemacht, die Padaria Schneider, wo ich mir erst mal ein langsames Frühstück aus einem Milchkaffe und einem Schinken-Käse-Sandwich (das heißt hier torrada [tohada, “Getoastete”] und in dem Rest von Brasilien, den ich kenne, misto quente [misto kentsch, “heißer Gemischter”] für umgerechnet etwa 0,90€ gönnte. Aber auch damit brachte ich nicht mehr als eine Stunde rum. Zumindest war jetzt aber schon die Uhrzeit, zu der die Läden in der Stadt, die für ihre Größe doch recht viele und nette und Läden hatte, öffneten und so nutzte ich die Chance um ein bisschen zu bummeln und das ein oder andere, das ich sowieso gerne kaufen wollte, besorgte. Bei der Gelegenheit informierte ich mich denn auch, wie ich am besten zu der COTRIMAIO käme, denn wenn ich schon so viel Zeit hatte, brauchte ich mir ja nicht unbedingt ein Taxi nehmen um dorthin zu kommen und allzu weit konnte es bei der Größe der Stadt ja eh nicht sein. Und so war es denn auch. Obwohl die COTRIMAIO am Ende der Stadt lag und ich so langsam lief, dass ich fast rückwärts lief, brauchte ich nicht mehr als 20 oder 25 Minuten um dorthin zu kommen.
Glücklicherweise sind die Leute in Brasilien ja recht flexibel und so konnte das Interview zeitlich ein wenig vorgezogen werden. Dieses Interview führt ich sogar gleich mit zwei Personen der COTRIMAIO, Marcos und Joao Carlos. Eigentlich wollte ich nur einen und auch meine Methodologie ist nur für einen Interviewpartner gedacht, aber der zweite kam dann nach einigen Minuten eben noch hinzu und da wollte ich nicht sagen: “Nee, mit dir will ich nicht reden.” Und im Endeffekt war es sogar gut, denn Joao, der als zweites kam, war schon etwa 10 Jahre dienstälter als Marcos und hatte so einiges mehr zu erzählen. Die Tage habe ich auch eine Zeitschrift bzgl. Soja gelesen und darin wurde Joao an einigen Stellen zitiert. Ohne es zu wissen habe ich also mit einer quasi-Prominenz gesprochen ;)
Nach dem Ende des Interviews fragte ich nach der Uhrzeit für den nächsten Bus nach Ijuí und nach einem kurzen Anruf bei der Rodoviária von Três de Maio erhielt ich die Info: 15 Uhr …und zu diesem Zeitpunkt war es gerade 11:30 Uhr… Also nochmal Zeit vertreiben…. Und dabei schließen die Läden hier in der Region auch noch so gut wie alle brav in der Mittagszeit von 12 bis 13:30 Uhr… Gut, also erst mal Mittagessen in einer andern Bäckerei, die auf dem Weg ins Stadtzentrum lag. Dann zur Rodoviária und schon mal das Ticket kaufen (und sichergehen, dass es auch tatsächlich noch so lange bis zum nächsten Bus dauern würde, was denn auch so war…) und dann ein bisschen in der Sonne auf einer Bank chillen und ein paar SMS nach Deutschland schreiben. Mittlerweile war es auch ganz schön warm geworden (etwa 17 Grad im Schatten und praller Sonnenschein) und ich schwitzte mir fast einen ab mit meinem Wintermantel, aber mich über Sonne und Wärme zu beschweren, wäre so ziemlich das letzte, was ich tun würde. Als die Läden dann wieder öffneten, nutzte ich die Gelegenheit schon mal ein paar Mitbringsel zu kaufen :) …und natürlich auch das ein oder andere für mich *g*
Insgesamt ist Três de Maio eine sehr gepflegte Stadt und noch sicherer als Ijuí (man sieht das immer daran, wie viel Zaun etc. oder auch nicht um die Häuser herum montiert ist und in Três de Maio gab es davon so gut wie gar keinen), und so genoss ich die kleine Shoppingtour. Und da die Stadt so klein war, war es auch echt einfach sich hier zurechtzufinden. Das einzige, was hier gefährlicher war als in Ijuí, waren die Autos… in Ijuí halten die Autos, an den Zebrastreifen, die es im Zentrum gibt und nehmen auch sonst ein wenig Rücksicht auf die Fußgänger. In Três de Maio werden Zebrastreifen hingegen als Stadtverschönerungsmaßnahme betrachtet und die Fußgänger, ja die werden sich schon in Luft auflösen, wenn die da mitten auf der Straße sind und man unerwartet um die Ecke geschossen kommt. Man muss nur ordentlich auf sie zuhalten, dann erledigt sich das schon…
Nachdem mein Bus um 15 Uhr denn endlich abgefahren war, brauchte er ca. 2 Stunden um die 80 km bis Ijuí hinter sich zu bringen, denn er hielt alle paar Kilometer an, sowas wie die Regionalbahn auf Reifen.
Von Três de Maio hab ich leider keine Bilder gemacht, dafür aber ein Landschaftsbild aus dem “Regional-Express-Bus”
Am folgenden Freitag (5.6.) führte ich dann noch ein weiteres Interview in Ijuí, wieder mit einer recht prominenten Figur: Mit Rui, der seit ca 20 Jahren der Präsident der FecoAgro ist, dem Dachverband der Genossenschaften von Rio Grande do Sul (nicht aller, aber doch der meisten Genossenschaften). Unter der Woche residiert er in der 450km bzw. 6-7 Stunden entfernten Bundesstaatshauptstadt Porto Alegre, hat aber seinen eigentlichen Wohnsitz in Ijuí (welch ein Glück für mich :) ) und, natürlich, ist er mit meinem Betreuer Walter befreundet (wie schon mal gesagt, Walter kennt Gott und die Welt in dieser Branche).




